Leroux: Übrigens, noch eine kleine Randnotiz zu dem Beginner-Song (für alle, die die YT-Kommentare nicht gelesen haben):
Atreyu666: Was ich an 90er Rap wirklich gut finde, ist dass sie halt wirklich noch eine Message rüberbringen wollten. Heute ist das meiste eh nur "Isch f**** deine Mudda", viel mehr ist da nicht mehr an "Message".
Ich glaub, das Ding ist halt, dass so etwas in den 90ern mehr Aufmerksamkeit bekommen konnte, weil es noch neu war, das Angebot insgesamt überschaubarer, und weil Mainstream-Medien gerade erst anfingen, sich für Hip Hop zu interessieren, und dann eben auch für alles, was es so gab, auch nischigere Sachen. Zudem war am Anfang noch nicht so viel Geld mit im Spiel. (Der besagte Platin Martin hat in einem Interview zum Beispiel auch gesagt, dass er erst noch überlegt hat, ob er nicht noch ein bisschen vom Ruhm und Geld mitnehmen müsste, zum Ausgleich für all die schlecht bezahlten Auftritte in Jugendzentren mit Übernachtungen auf dem Boden und so. Hat sich dann aber trotzdem für den Ausstieg entschieden und nicht dafür, nur des Geldes wegen weiterzumachen, wenn er es eigentlich nicht mehr fühlt und lieber mal was anderes machen will.)
Rap mit Message gibt es heutzutage eigentlich noch genauso wie damals; es wird nur kaum im Radio gespielt, weil so was jetzt eher out ist und polarisiert - vor allem wenn es moralisierend oder belehrend wirkt - und weil andere Sachen bei der Masse anscheinend besser ankommen. Ich würde also sagen, das ist tendenziell eher ein Wahrnehmungs- und Reichweitenproblem. Obwohl Rap heute auch Mainstream ist, war die ganze Bandbreite von Hip Hop und auch der Untergrund in den 90ern sichtbarer und präsenter. Es gibt heute so viele verschiedene Sachen, aber was man als Außenstehender noch so mitkriegt, ist nur ein ganz bestimmter Ausschnitt. Eben die Musik, die sich am besten verkauft oder wegen irgendwelcher (politisch leichter zu verarbeitenden) Provokationen in den Medien vorkommt.
Vielleicht ein bisschen so wie bei Spielen auch, wenn Leute sagen: "Heute gibt's nicht mehr solche kreativen Spiele wie in den 90ern" und dabei Indie-Spiele völlig außer acht lassen und nur auf die AAA-Titel schauen, obwohl die AAA-Titel der 90er vielleicht sogar eher mit den AA- oder Indie-Spielen von heute vergleichbar sind und nicht mit den großen Big-Budget-Mainstream-Titeln. Solche Spiele wie in den 90ern würd heute wahrscheinlich bei der Konkurrenz kaum jemand mehr richtig wahrnehmen, obwohl es durchaus noch Ähnliches gibt.