kultpcgames: Spätestens seit der Einführung der EU-DSGVO ist aus dem zahnlosen Papiertiger ein durchaus fähiges Instrument zur Hand. Sobald Vorsatz nachgewiesen werden kann, kann es durchaus teuer werden. Wenn die Firma also nicht nur ein oder zwei Kopien in irgendeiner Queue oder einem Cache liegen hat, sondern die regulär speichert, ist da nichts mehr mit "Fehler". Lies Dir mal die Vorschriften dazu durch, mein Kollege aus meinem Büro wurde dafür über 1 Jahr freigestellt!
Und das Nachweisen ist auch kein Thema, es reicht nur ein einziger unzufriedener Mitarbeiter!
Wenn es doch nur so einfach wäre!
kultpcgames: Tatsache ist aber auch, das die verantwortlichen Behörden gar nicht alles prüfen können, selbst wenn sie wollten.
Dies. Genau dies!
In der Praxis gilt grundsätzlich sobald man erwischt wird: "Der Praktikant wars". Und der ist nicht mehr da. Schriftlich ist nichts festgehalten und der "unzufriedene Mitarbeiter" kann nicht nur nichts nachweisen, sondern findet in der Branche nie wieder einen Job. Dafür sorgt der Buschfunk unter den gut vernetzten Vorgesetzten.
Selbst wenn jemand ein hochnotpeinliches Audit macht: Irgendeinen Praktikanten hatte man immer und alle Absprachen sind mündlich (sehr einfach zu bewerkstelligen).
Ja, es gibt empfindliche Strafen: Aber nicht beim Erstverstoß im Einzelfall!
Dazu kommt, dass Behörden gar kein Interesse daran haben etwas zu finden. Die wollen IMHO auch bloß keine zusätzliche Arbeit. Melde doch mal etwas, beim Datenschutzbeauftragten des Landes! Oder bei der Steuerfahndung? Oder einer anderen Aufsichtsbehörde? Selbst wenn Du es lückenlos nachweisen könntest, Du kriegst (mindestens in Hessen) nicht einmal jemanden ans Telefon, der sich für zuständig hält.
Wir hatten den Fall, dass jemand jahrzehntelang Steuern hinterzogen hat in Hessen, indem er ein Haus vermietet hat, ohne dass der Bau jemals offiziell fertig war. Zwei komplette Etagen waren schwarz gebaut. Parkplätze wurden nie gebaut. Brandschau? Nein. Stellplatznachweis? Guter Witz! Gebäudevesicherung? No, Sir!
Eigentlich war der Fall klar:
1. Die Gemeinde wusste es.
2. Es lag eine Anzeige der Gemeinde beim Bauamt gegen den Bauherrn vor.
3. Die Beweislast war erdrückend. Lückenlose Dokumentation der Verstöße.
Und es passierte: Nichts!
Aussage des Amts: "Wir können das aufnehmen, haben aber für die Verfolgung der Fälle schlicht kein Personal."
Same procedure beim Finanzamt: "Unser Finanzamt ist nicht zuständig für Fälle von Steuerhinterziehung." Am Ende schicken sie dich zur Landesregierung und dort versandet die Meldung im Zuständigkeitsdschungel. Theoretisch gibt es sehr wohl eine Planstelle für Steuerfahndung, falls Du die Person findest. Aber, kann die Planstelle die Anzeigen auch verfolgen, oder nur aufnehmen?
Mindestens gefühlt ist es so: Beim kleinen Privatmenschen der sich nicht wehren kann, haut man gern drauf, um die Fallzahlen hoch zu treiben, aber IMHO: eine konservative Landesregierung setzt sich keine Behörde ins Haus, die den eigenen Abgeordneten oder deren Parteispendern gefährlich werden könnte. Wo kämen wir denn da hin!
Es erweckt den Eindruck eines Theaters fürs Wahlvolk.